6. —
9.11.
Wochenendseminar: Orientalismus und westliches Sexualitätsdispositiv
Julian Volz

Edward Said untersuchte, wie der sogenannte Orient vom Westen erschaffen wurde. In seiner gleichnamigen Studie charakterisierte er den Orientalismus als umfassendes Wissens- und Denksystem sowie als Subjektivierungsweise, die in der Lage ist, die Menschen in den als Orient gekennzeichneten Gegenden der Welt zu homogenisieren und anschließend zu repräsentieren.

Besonders feministische Theoretikerinnen haben in Anschluss an Said herausgearbeitet, dass dem Orientalismus nicht nur ein Prozess des kulturellen, sondern auch des gegenderten und sexuellen „Otherings“ zugrunde liegt und dass beide Prozesse eng verbunden sind. Auch in Saids Orientalismus-Studie findet sich bereits eine Analyse solcher sexualisierter und gegenderter Diskurse über den Orient, die diesen als vornehmlich weiblich und passiv identifizieren. Demnach ist auch das westliche Sexualitätsdispositiv zutiefst vom Orientalismus geprägt. Die Kolonien und besonders der „Orient“ fungierten als die Orte, in denen Begehren gesucht und gelebt werden konnten, die in den imperialistischen Zentren verpönt waren. Ein besonders enger Zusammenhang besteht zwischen dem "Orient" und homosesexuellen Fantasien. Dieser geriet letztlich ab Ende des 19. Jahrhundert zu dem schwulen Sehnsuchtsort schlechthin.

An dem Wochenendseminar soll diese Setzung und ihre Auswirkung auf die westliche Sexualität anhand von Texten von Edward Said, Joseph Boone, André Gide, Anne Laura Stoler, Reina Lewis, Gilbert Achcar, Joseph Massad, Todd Sheppard und weiteren kritisch nachvollzogen und in Frage gestellt werden.

Anmeldung unter: hello@synnika.space

Nach Anmeldung wird ein digitaler Reader für das Wochenende zur Verfügung gestellt.