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30.11.2027Arbeit nach der Mittelwertsstabilität
30.11.2027
Konzept zum Jahresprogramm 2027 von Synnika e.V.
Das Jahresprogramm 2027 von Synnika e.V. widmet sich den Ökonomien von Arbeit, Migration und Reproduktion im Einbruch sozio-ökologischer Mittelwertsstabilitäten. After the Means untersucht die zunehmend volatilen Bedingungen gesellschaftlichen Lebens und fragt nach Alternativen zu den tradierten Paradigmen der Effizienz-Optimierung. Im Zentrum steht die Frage, wie sich dieses Spannungsfeld gegenwärtiger Transformationen in den Alltag einschreibt – in Körper und Arbeitsverhältnisse, in Wohnräume und Infrastrukturen, in industrielle Materialien und Produktionsweisen ebenso wie in Zeitvorstellungen und Formen gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
In den Projekten des Jahresprogramms erscheint Arbeit dabei nicht nur als ökonomische Tätigkeit, sondern als Stoffwechsel gesellschaftlicher Praxis, die Erfahrung strukturiert, soziale Rollen hervorbringt, Zugehörigkeit reguliert und Lebensbedingungen bestimmt. Migration wiederum wird nicht nur als Bewegung zwischen geografischen Räumen verstanden, sondern als Verhältnis, das durch Arbeitsmarkt, Aufenthaltsrecht, Wohnbedingungen und institutionelle Zugänge organisiert wird. Ein wiederkehrendes Motiv des Programms ist die Unsichtbarkeit von Arbeit und jener Menschen, die sie leisten. Reinigungskräfte, migrantische Arbeiter*innen, Beschäftigte der industriellen Produktion und Künstler*innen, sind in unterschiedlicher Weise von einer gesellschaftlichen Arbeitsteilung betroffen, in der ihre Leistungen zugleich vorausgesetzt und marginalisiert werden.
Dabei erscheint Wohnraum als grundlegende materielle Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe, zugleich aber als Ressource, die ungleich verteilt und durch Arbeits- und Migrationsverhältnisse strukturiert wird. Die einzelnen Projekte verbindet kein einheitlicher Begriff von Arbeit und künstlerischer Praxis, sondern ein erweitertes Verständnis von gesellschaftlichem Handeln. Neben industrieller Erwerbsarbeit geraten Sorgearbeit, künstlerische Arbeit und die Arbeit an sozialen Beziehungen in den Fokus.
Das Jahresprogramm 2027 ist aus einem ausgewählten Kreis nahestehender und assoziierter Menschen hervorgegangen, mit dem Synnika die eigene Arbeitsweise weiterentwickeln wird. Künftig wird der Verein noch stärker als unterstützende, infrastrukturelle Plattform für translokale Initiativen, Künstler*innen und Kollektive fungieren, deren Projekte eine engagierte und experimentelle Ausrichtung teilen. Mit vielen verbindet uns bereits eine über die letzten Jahre gewachsene gemeinsame Diskussion. Der Themenschwerpunkt verweist zugleich auf die eigenen Arbeitsbedingungen von Synnika: Die Frage, unter welchen materiellen, zeitlichen und infrastrukturellen Bedingungen experimentelle Projektarbeit möglich wird, betrifft den Verein unmittelbar und macht das Jahresprogramm zu einer reflexiven Auseinandersetzung mit den Bedingungen seiner eigenen Produktion.
Das Jahresprogramm 2027 wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main.